Eindrückliches Schreiben der Schulleitung der Kolibri-Grundschule zur aktuellen und zukünftigen Situation der Schule

Dass die Situation an der Kolibri-Grundschule dramatisch ist, angesichts der gestiegenen Anzahl der Schüler_innen in der Schule, war schon bekannt. Wie sich dieser Anstieg auf das Schulleben, speziell auf die Situation beim Mittagessen und Nutzung der sanitären Anlagen in den Pause, darstellt, war nur "Insidern" bekannt. Die Schulleitung hat zusammen mit der Gesamtelternvertretung auf der Sitzung des BVV-Ausschusses für Schule am 02. Februar dazu berichtet. In diesem Zusammenhang möchten wir gern das dazu diesem Ausschuss und weiteren Adressaten zur Kenntnis gegeben Schreiben, mit Zustimmung der Gesamtelternvertretung, auch bei uns veröffentlichen. Wir verbinden damit den Wunsch, dass die Forderungen der Schule schnellstmöglich umgesetzt werden.

Hier das Schreiben der Schulen (am Ende des Schreiben finden Sie das Original als PDF zum Herunterladen):

Sehr geehrte Damen und Herren,

in diesem Schreiben bitten wir Sie dringend um Unterstützung bei der Bewältigung scheinbar unlösbaren Aufgaben, vor die wir zum neuen Schuljahr 2018/2019 gestellt werden.

Im Ergebnis der Absprachen hinsichtlich der Aufnahmekapazität der Kolibri-Grundschule zwischen Bezirksamt, der Außenstelle der Senatsverwaltung und der Schulleitungen am 5. Dezember 2017 sowie einer Schulbegehung am 19. Januar 2018 erhielt die Kolibri-Grundschule den Auftrag, sechs neue Erste Klassen am Schulstandort Schönewalder-Str. 9 zum Schuljahr 2018/2019 zu eröffnen.

Seit dem 1. Dezember 2017 habe ich als stellvertretende Schulleiterin die Führungsaufgaben als ständige Vertreterin der Schulleiterin übernommen. Bereits seit der Zeit der Schulanmeldungen für die neuen Ersten Klassen bewegt mich die Frage, wie diese Aufgabe an unserer Schule erfüllt werden kann.

Seit mehreren Jahren haben an diesem Standort trotz Verdopplung der Schülerzahlen innerhalb weniger Jahre keine notwendigen Baumaßnahmen stattgefunden. Mit 709 Schülerinnen und Schülern, 35 Erzieherinnen und Erziehern, 45 Lehrerinnen und Lehrern und zwei Schulsozialarbeiter/inne/n ist sie die größte Grundschule im Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Die Schülerinnen und Schüler lernen in 28 Regelklassen (6x Klasse 1, 5x Klasse 2, 5x Klasse 3, 5x Klasse 4, 4x Klasse 5, 3x Klasse 6), einer Willkommensklasse und zwei Sprachklassen.

Drei erste Klassen konnten zu Beginn des Schuljahres 20l7/2018 nur noch in einer neu gebildeten Filiale der Kolibri-Grundschule im Gebäude der Sabine-Ball Schule in der Lichtenhainer Straße 2 untergebracht werden, da bereits zu diesem Zeitpunkt feststand, dass die Räumlichkeiten in der Kolibri-Grundschule nicht ausreichen würden.

In der eFöB (ergänzenden Förderung und Betreuung), dem Freizeithaus „HUGO", werden aktuell ca. 450 Kinder am Nachmittag gefördert und betreut. Es bietet neben einem speziell für diese Zwecke eingerichteten Bewegungsraum (ausgestattet mit Spiegelwand und Teppichboden) einen neu eingerichteten Snoezelen-Raum zur Entspannung und Erholung.

Vielzählige Angebote, wie z. B. ein Tischtennisraum, ein Kinderzimmer, Verkleide-Raum, Kreativräume, Probierstübchen, Bastelangeboten oder Lego-Raum und mehrere Hausaufgabenzimmer, befinden sich nicht nur im „HUGO" Freizeithaus, sondern mussten bereits aufgrund steigender Schülerzahlen in Klassenräumen untergebracht werden.

Beide Flurendbereiche im 1. und 2. Obergeschoss werden aufgrund der hohen Schülerzahlen durch das Freizeithaus komplett genutzt. Auflagen der Brandsicherheitsschau vom Februar 2017 werden unter Berücksichtigung der Sicherheitsvorgaben befolgt. Die Situation wird insgesamt als sehr problematisch eingestuft.

Bis zum Schuljahr 2016/2017 gehörte unsere Schule zu den Schulen im Schulversuch INKA. In den Klassen lernen u. a. Kinder mit unterschiedlichen Förderbedarfen, die in TLG (temporären Lerngruppen) am Vor- und Nachmittag individuell gefördert werden müssen. Diverse Angebote und Rückzugsmöglichkeiten sind die Grundvoraussetzung für unsere tägliche Arbeit mit unseren besonderen Kindern.

Bereits in diesem Schuljahr mussten wir enorme logistische und personelle Anstrengungen unternehmen, um einen reibungslosen Ablauf unseres Schulalltags zu organisieren.

Regelmäßig nehmen ca. 550 Schülerinnen und Schüler an der Essenversorgung in der Mensa teil, die Platz für ca. 90-100 Kinder bietet. (Ursprünglich geplant war eine Nutzung der Mensa durch ca. 140 Essenteilnehmer am Tag.)

Für die Versorgung aller Essenteilnehmer mussten alle weiteren organisatorischen Planungen an unserer Schule rund um den Essenplan vorgenommen werden (d. h. Stundenplanung der gesamten Schule, Sportunterricht und Hallenbelegung, Aufsichten wurden nach dem Essenplan ausgerichtet). Hierzu zählen

  1. Einrichtung der 4. Stunde als Essenpause für drei 1. Klassen der Filiale an der Sabine Ball Schule, wodurch zusätzliche Aufsichten notwendig wurden und sich der gesamte Schultag deutlich verlängert. Diese Kinder erhalten ihr Essen bereits um 11 Uhr.
  2. Schaffung einer zusätzlichen Hof- und Essenpause zwischen der 5. und 6.Unterrichtsstunde. Die Folgen sind: Der Unterricht endet für alle Schülerinnen und Schüler erst um 13:45 Uhr, statt um 13:30 Uhr, zusätzliches Aufsichtspersonal für die Hof- und Essenaufsicht wurde notwendig; ein ruhiges und konzentriertes Arbeiten in den 5. und 6. Stunden wird deutlich erschwert.
  3. Die Kinder der anderen 1. und der 2. Klassen erhalten oft erst nach ihrem Unterrichtsende ihr Mittagessen, da die Schüler/innen der 4., 5. und 6. Klassen in den Pausen essen gehen müssen und nur in der 5. oder 6. Stunde für die Kleinen Zeit zum Essen bleibt. D. h. viele Kinder dieser Klassen erhalten erst gegen 13 Uhr bzw. 13:20 Uhr ihr Mittagessen.

Akzeptable räumliche Alternativen gibt es nicht. Zur Mensa führt ein langer, schmaler Gang. Wege zu anderen Räumen sind zu weit. Der benachbarte Klassenraum oder der Kunstraum können nicht für die Esseneinnahme genutzt werden. Beide Räume werden bis 13:45 Uhr als Klassen- bzw. Fachraum genutzt. Eine Nutzung zur Esseneinnahme kommt aus hygienischen und organisatorischen Gründen nicht in Betracht (mögliches Szenario: Kinder packen zum Ende der 4. und 5. Stunde jeweils alle Sachen weg, um Platz für andere zur Esseneinnahme zu schaffen. Tische werden bei Esseneinnahme verunreinigt, müssen pünktlich wieder für den Unterricht freigeräumt werden. In Regenpausen haben Kinder dieser Räume keine Aufenthaltsmöglichkeit.)

Wir sind bereits jetzt deutlich an unsere Grenzen gestoßen. Möglichkeiten der Vergrößerung der Mensa durch einen Rückbau von Teilen der Küche sind geprüft worden und durchführbar, jedoch bisher nicht umgesetzt worden.

Zum Schuljahr 2018/2019 liegen dem Schulamt für unsere Schule ca. 130 Schulanmeldungen vor. Ausgebend von diesen Anmeldezahlen steht die Forderung des Bezirksamtes im Raum, sechs neue erste
Klassen zu eröffnen. In der Folge würden ca. 75 weitere Kinder die Kolibri-Grundschule besuchen, im Gebäude also ca. 710 Kinder untergebracht werden.

Das bedeutet, dass drei weitere Klassenräume durch Umbau und Umgestaltung der Lernwerkstatt, des Bewegungsraumes und des Fachraums für Gesellschaftswissenschaften geschaffen werden müssten, um den Bedarf decken zu können. Unterrichtsqualität und attraktive Betreuungs- und Förderungsangebote am Nachmittag werden zwingend nachhaltig beeinträchtigt. Angebote auf dem Schulhof für Bewegung und Freies Spiel stellen jetzt schon eine Herausforderung aufgrund der hinlänglich bekannten schwierigen Schulhofsituation dar. Für die Zeit des Umbaus des Hofes müssen wir u. a. auf Räumlichkeiten unseres Schulgebäudes zurückgreifen, die zukünftig mit noch mehr Kindern am Vor- und Nachmittag genutzt werden müssen.

Gerade für Kinder in unserem Einzugsbereich, insbesondere jedoch für Kinder mit Förderbedarf emotionale und soziale Entwicklung, stellen räumliche Enge ohne Rückzugsmöglichkeiten eine enorme psychische und physische Belastung dar. Um diesen Kindern ein Handlungskonzept und die Voraussetzungen für die Regulation ihres Verhaltens in schwierigen Situationen zu ermöglichen, braucht es ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Bewegung und Entspannung. Räumliche Enge verursacht bei diesen Kindern zunehmend Aggressivität und in der Folge Gewalt. Der Bewegungsraum und die Lernwerkstatt müssen deshalb dringend erhalten bleiben.

Bei 6 neu einzurichtenden 1. Klassen sind ca. 130-135 Essenteilnehmer zu erwarten. (Ungefähr 15 Essenteilnehmer aus Klasse 6 verlassen die Schule.) Bei etwas weniger Essern in den zukünftigen 6.Klassen werden in der Mensa also ca. 110 Kinder zusätzlich an der Essenversorgung teilnehmen. Die Kapazität der Mensa ist bereits jetzt ausgeschöpft.

Die Anzahl der der Toiletten blieb trotz ansteigender Schülerzahlen bis heute konstant. Besonders in der obersten Etage werden die Möglichkeiten der Toilettennutzung bei steigenden Schülerzahlen keinesfalls ausreichen. Bereits jetzt müssen Toiletten im Laufe eines Schulvormittags gesperrt werden, weil die hygienischen Umstände aufgrund hoher Frequentierung eine Weiternutzung nicht zulassen. Für das kommende Schuljahr stehen im 2.Stockwerk für 11 Klassen (275 Kinder) nur 2 Jungen- und 3 Mädchentoilettenbecken in je 2 Toilettenräumen zur Verfügung.

Als besonders besorgniserregend, und bisher offensichtlich nicht in Betracht gezogen, stellt sich die Sicherheit der Schülerinnen und Schüler, des gesamten pädagogischen Personals der Kolibri-Grundschule und aller weiteren Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen einschließlich der in der unteren Sporthalle untergebrachten Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer des Melanchthon-Gymnasiums dar.

Das Gebäude der Kolibri-Grundschule wurde nach Aussagen der Architektin und Aufzeichnungen des Bauamtes für ca. 495 Schülerinnen und Schüler als Förderschule 3- zügig konzipiert, die Mensa war für ca. 140 Essenteilnehmer angedacht. 50 % dieser Kinder (250) wurden für die Ganztagsbetreuung prognostiziert.
Räumlichkeiten, Schulhof, Mensa, Toiletten und Stellplatz für den Brand- und Katastrophenfall
wurden entsprechend konzipiert.

Am 18.10.2017 wurde in der Kolibri-Grundschule eine Brandschutzübung durchgeführt.
Die Fluchtwege wurden von fast allen Kolleginnen und Kollegen korrekt genutzt, das Schulgebäude konnte relativ zügig geräumt werden.

Allerdings führt der Weg zum Sammelstellplatz für alle Personen auf den Schulhof zum Ausgang des Hofes an der Sporthalle. Hier müssen 90 Kolleginnen und Kollegen, aktuell 635 Schülerinnen und Schüler unserer Schule (75 Kinder der Filiale sind nicht betroffen), die Sportklassen des Gymnasiums und die unterrichtenden Lehrerinnen und Lehrer (ca. 50 - 75 Personen) durch ein „Nadelöhr" den anliegenden Stellplatz aufsuchen.

Der Stellplatz ist für diese Anzahl der Personen schon jetzt nicht mehr ausreichend; viele Sträucher in dem Park verhindern die so dringend notwendige Übersicht über die Situation. Die Vollzähligkeit der Schülerinnen und Schüler sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konnte nicht vollständig geprüft werden.

Der Ausgang im Foyer bietet keine Alternative. Der Ausgang über den Hof zur Riesaer Straße stellt die Feuerwehrzufahrt dar, kann deshalb ebenso nicht alternativ genutzt werden.

Die weitere Aufnahme zusätzlicher Kinder und weiteren pädagogischen Personals ist aus pädagogischen, Hygiene- und Sicherheitsgründen nicht nur bedenklich, sondern kann so nicht mehr vertreten und verantwortet werden. Wir benötigen dringend Unterstützung zur Lösung des Problems.

U. Irmler
Stellvertretende Schulleiterin

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